Tag des Baumes

Wir feiern in Deutschland am 25. April wie alljährlich seit 1952 den Tag des Baumes. Dabei sollten wir uns vor Augen führen, dass nach dem Waldzustandsbericht 2011 der Wald in NRW seit Beginn der Schadensaufnahme 1982 noch nie in einem so schlechten Gesundheitszustand war wie jetzt. Bei den Hauptbaumarten Buche, Eiche, Fichte und Kiefer sind nur noch 24 % ohne Schaden, weniger als ein Viertel ist noch als gesund zu bezeichnen. Bei der Buche verschlechterte sich der Zustand allein im letzten Jahr um sechs Prozentpunkte. Die Ursache der Verschlechterung wird in den klimatischen Veränderungen gesehen.

In Anbetracht dieser erschreckenden Entwicklung muss es uns mit großer Sorge erfüllen, wenn wir sehen müssen, wie in Teilen des Privatwaldes "ordnungsgemäße Forstwirtschaft" betrieben wird. Konnte man beispielsweise noch im vergangenen Jahr am Rand der freien Wiesenflächen rechter Hand unter einem grünen Blätterdach hundertjähriger Buchen vom Langen Tal bei Schlangen zum Bauernkamp den Hang hinaufsteigen, so geht man jetzt nur noch durch eine lichte Parklandschaft mit jüngeren Bäumen in Hanglage. Die jetzt lebenden Menschen werden an dieser Stelle diesen Waldaufstieg zwischen dem Lerchensporn nicht mehr erleben können.

Aufnahme am Hangweg vom Langen Tal zum Bauernkamp: Keine ältere Buche blieb stehen. Dies ist eben ein Wirtschaftswald.

Aufnahme vom Langen Tal unterhalb des Bauernkamps: Eine reiche Ernte an Buchenstämmen stapelt sich hier; rechts am Hang der Alterklassenwald junger, nachwachsender Buchen.

Diese Aufnahme mit den nachwachsenden Buchen zeigt, was gute forstwirtschaftliche Praxis ist: in etwa 50 bis 70 Jahren kann die neue Ernte eingefahren werden. 

Ein unter ökologischen wie auch landschaftästhetischen Gründen noch viel unerfreulicheres Bild bietet sich östlich von Bad Lippspringe an der Steinbeke hinter dem Nationalparkinformationsbüro:

 

Dieses Bild zeigt in beeindruckender Weise welche wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten sich vereinbaren lassen mit dem Begriff einer "ordnungsgemäßen Forstwirtschaft" gemäß der Helsinki-Konferenz von 1993 und der Nachfolgekonferenz von Lissabon 1998. Dies alles ist noch "gute forstwirtschaftliche Praxis"; zumindest sieht es das auch für den Privatforst zuständige Regionalforstamt so nach dem Einspruch eines Bürgers.

Diese Waldfläche von insgesamt knapp 600 Hektar ist nach dem Krieg von der Stadt Bad Lippspringe an den Herzog zu Glücksburg-Holstein verkauft worden und der kann jetzt Kasse machen. In den vergangenen Monaten konnten dort samstags bis zu 30 Pkws mit Anhänger und Trecker gesehen werden, die Kaminholz für den nächsten Winter abfuhren. Ein Verdacht, dass diese Fläche an Stelle der nicht verfügbaren Fläche des Prinzen zu Lippe für eine nach Süden erweiterte Nationalparkkulisse eingetauscht oder eingekauft werden könnte, liegt auf der Hand. Allerdings dürfte es ein gutes halbes Jahrhundert länger dauern, bevor der gute bisher vorhandene Zustand wieder erreicht ist.

Für den ehrenamtlichen Naturschutz machen derartige "Durchforstungen", die leider kein Einzelfall sind, deutlich, wie wichtig es ist, dass größere Waldflächen aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden und einer vom Menschen nicht beeinflussten Entwicklung überlassen werden. Aus naturschutzfachlicher Sicht müssen derartige Flächen eine Mindestgröße von 5.000 Hektar haben und sind nicht zu ersetzen durch Naturwaldzellen, von denen es in NRW etwa 75 gibt mit einer Gesamtgröße von 1.575 Hektar.  Nur durch große, zusammenhängende Waldflächen können die notwendigen wissenschaftlichen Erkenntnisse gesammelt werden, die dann auch für einen Wirtschaftswald von Nutzen sind, denn auch dieser muss unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen in Zukunft gedeihen können.

Zudem hat sich die Bundesrepublik bereits im November 2007 völkerrechtlich dazu verpflichtet, bis 2020 5 % des Waldes aus der wirtschaftlichen Nutzung herauszunehmen zur Umsetzung einer nationalen Strategie der Biodiversität. Derzeit sind es gerade 1 %.

Die Aufnahme zeigt einen vermodernden weit mehr als 100 Jahre alten Buchenveteranen bei der Kattenmühle. Das Vorstandsmitglied Hans Dieter Wiesemann vom NABU Lippe erklärt bei einer Exkursion, welche Bedeutung derartiges Totholz gerade für den Erhalt der Artenlvielfalt besitzt: Pilze, Moose, Flechten, Würmer, Insekten ... Die Nationalparkgegner agitieren dagegen mit Sprüchen wie "Totholzwahnsinn" oder Schildern wie diesem:

Wie die Bundesrepublik gegenüber der Unesco das völkerrechtlich verbindlich gegebene Versprechen der Herausnahme von 5 % der Waldfläche einhalten will, ist zur Zeit nicht erkennbar: Wie jetzt in Ostwestfalen so agitiert bundesweit immer die gleiche gut vernetzte Lobby von Jägern, adligen Großgrund- und Waldbsitzern sowie  die Holzwirtschaft immer mit den gleichen Argumenten gegen die Einrichtung von Nationalparks in Deutschland. Denn in diesen soll in so genannten Prozessschutzzonen der Wald aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen werden.

Die folgende Aufnahme wurde in der Naturwaldzelle Rosenberg an der Steinbeke gemacht "Buchen im Urwald"

 

Die mächtige Krone einer Buche im hellen Frühlingsgrün - im Wirtschaftswald nur noch ein seltener Anblick:

Knorrige alte Buchen im Staatsforst des Teutoburger Waldes:

Eine Wandergruppe im Teutoburger Wald: So schön kann der Buchenwald sein! Ein solches Bild findet man aber leider nur selten in einem Privatforst sondern meist nur in Wäldern, die im Besitz der Öffentlichen Hand sind:

 



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