Egge: Statt 12.000 ha Nationalpark jetzt 450 ha Wildnisgebiete

12. Oktober 2026 | Wälder, Naturschutz, Nationalpark Egge, Nachhaltigkeit, Lebensräume

Ein kleiner Schritt, aber auch eine ungenutzte Chance!

Paderborn, 11.10.2026 | Das Plus vom 450 ha neuer Wildniswälder in der Egge bewerten Naturschützer der Region als Schritt in die richtige Richtung. Dem schließt sich auch der BUND an, 450 ha sind mehr als Nichts. Aber im Vergleich zum Potenzial von über 12.000 ha naturschutzfachlich geeigneter Wildnisflächen in der Egge sind 450 ha erschreckend wenig. Geplant und notwendig um den Wildniszielen des Landes näher zu kommen war eine deutlich größere Fläche. Mit diesem Kompromiss, den sogar die örtliche CDU jetzt feiert, ist die Landesregierung erneut vor einer lokalen Gegenkampagne eingeknickt. 

Als das Land NRW 2023 einen zweiten Nationalpark ausweisen wollte, kämpfte der BUND mit vielen Verbündeten für einen Egge-Nationalpark. Leider ließ eine mit Lügen und Fake-News gespeiste Kampagne von Holzlobby und CDU dieses Vorhaben vorläufig scheitern. Dennoch blieb eine Hoffnung: die Ausweisung von Wildnisentwicklungsgebieten, die ebenso wie ein zweiter Nationalpark zwischen den Regierungsparteien vereinbart wurde. Sollte es so nicht gelingen, wenigstens 10 % der geeigneten Flächen für „Natur Natur sein Lassen“ zu sichern? Aber als in diesem Sommer diese Pläne für die Egge bekannt wurden, machten erneut lokale CDU und Holzlobby mit der haltlosen Parole „Kein Nationalpark durch die Hintertür“ dagegen mobil. Leider mit Erfolg.

Aus Sicht des BUND wurde eine große Chance für den Naturschutz nicht genutzt. Denn erneut gelang es nicht, eine zusammenhängende Fläche von über 1.000 ha in der Egge für eine nationale Anerkennung als Wildnisgebiet auszuweisen. Der BUND fordert deshalb schon jetzt mit Blick auf die Landtagswahl im nächsten Frühjahr die Ausweisung weiterer zusammenhängender Wildnisgebiete in der Egge. 

Erreicht die Landesregierung ihre Wildnisziele? 

Die grüne Wirtschaftsministerin Mona Neubauer bewertet die Ausweisung von 450 ha Wildnisgebieten in der Egge als Erfolg. Sie spricht dabei von 5.000 ha Wildnisgebieten, die in dieser Legislaturperiode entstanden seien, und die es ohne die Grünen nicht gegeben hätte (vgl. NW 6.10.2026). Worauf sich diese Zahl stützt, ist offen. Laut Mitteilungen des Umweltministeriums wurden mit den 450 ha der Egge zusammen aktuell erst 2.950 ha zusätzliche Wildnisentwicklungsgebiete ausgewiesen. Im Koalitionsvertrag hat die Regierung vereinbart, „15 % des Landeswaldes und damit 2 % der nordrhein-westfälischen Waldfläche aus der Nutzung nehmen“. Das Ziel soll mit den 5.000 ha erreicht werden. Laut Angaben von Wald und Holz wurden aktuell aber erst ca. 12 % Wildniswald erreicht. 

Vereinbart war auch die Errichtung eines zweiten Nationalparks in NRW. Mit einem Nationalpark Egge auf dafür geeigneten landeseigenen Flächen von über 12.000 ha wären diese Wildnisziele leicht erreichbar gewesen.  Mit den jetzt beschlossenen 450 ha kommt die Landesregierung ihrem Ziel nur einen kleinen Schritt näher. 

Neue Wildnisgebiete auf nicht bewirtschafteten Waldflächen?

Die CDU Lichtenau begrüßt laut einer Pressemitteilung den Wildniskompromiss des Landes mit den Kreisen Paderborn und Höxter (WB 9.10.2026). Das sollte Naturschützer nachdenklich stimmen. Denn die gleiche Partei lehnt seit Jahren jegliche Ausweisung von Wildnisflächen in der Egge ab, hat 2023 mit eine Lügenkampagne Stimmung gegen eine Nationalparkausweisung gemacht. Woher kommt jetzt der Sinneswandel? Vielleicht, weil es sich um einen faulen Kompromiss handelt? Die CDU feiert, dass für die 450 ha angeblich nicht forstlich bewirtschafteten Wälder ausgewählt worden seien. Die CDU stützt sich dabei auf eine Mitteilung des Kreises Paderborn, nach der die ausgewählten 450 ha „in einem bereits vorhandenen Naturschutzgebiet auf landeseigenen Flächen, die nicht bewirtschaftet werden“ liegen. „Flächen, die noch in der Bewirtschaftung stehen, sollen keine Wildnisgebiete werden“, heißt es in der Mitteilung. Sollte diese Aussage zutreffen, sind die 450 ha kein wirklicher Gewinn für die Wildnisentwicklung, da auf den Flächen die forstwirtschaftliche Nutzung dann ja offenbar schon eingestellt wurde. Der Landrat des Kreises Paderborn feiert jedenfalls deshalb diesen Verhandlungserfolg mit der Landesregierung als seinen Erfolg. Zumal es auch gelungen sei, die Gesamtfläche beträchtlich zu reduzieren. Von ursprünglich geplanten über 1150 ha auf nur noch 450 ha. 

Es geht um landeseigenen Wald – das Land entscheidet hier über den notwendigen Schutz! 

Bei der Debatte in den Kreisen Paderborn und Höxter gewinnt man manchmal den Eindruck, als wenn der betroffene Wald diesen Kreisen gehören würde. Aber es handelt sich um Staatswald, um Wald, der dem Land NRW gehört und damit allen Bürgerinnnen und Bürgern dieses Bundeslandes. Wir fragen: Warum wurde über einen neuen Schutzstatus von kleinen Teilen dieses Waldes überhaupt mit den Kreisen verhandelt? Warum konnten diese Kreise die Planungen derart massiv beeinflussen? Das Land alleine hat hier zu entscheiden, in welchem Umfang hier Schutzgebiete ausgewiesen werden. Das gilt auch für die Entscheidung über die Errichtung eines Nationalparks. Überall dort, wo Länder diese Entscheidung aus der Hand gegeben haben, sind Projekte meistens gescheitert. So wie 2023 in der Egge und in anderen Regionen von NRW. 

Naturschutzgebiet Egge Nord als Wildniswald schützen!  

Schon vor über 10 Jahren hat das Land NRW mit dem „Naturerbe-Buchenwald“ westlich von Altenbeken ein erstes Wildnisentwicklungsgebiet ausgewiesen, ohne eine vergleichbare Beteiligung. Die Flächen sind Teil des Naturschutzgebietes Egge-Nord. Alte Buchenwälder mit Höhlen, Schluchten und Felsformationen machen die Egge hier zu einem ganz besonderen Naturraum. Sie ermöglichen Raritäten wie dem Schwarzstorch und diversen Totholzkäfern das Überleben. Zahlreiche Höhlen im Karstgebirge erweitern den Lebensraum in die Tiefe. Darin finden sich neben vielen Fledermausarten auch hoch spezialisierte Tiere. Etwa der Fledermaus-Höhlenkäfer (Choleva septentrionis sokolowskii), der weltweit bislang nur in einer Höhle der Egge gefunden wurde. Quellen, Bäche und Moore liefern weitere wertvolle Lebensräume. Im Frühling bestimmen hier Märzenbecher und Lerchensporn das Bild. Zudem trägt der Höhenzug der Egge zur Vernetzung unterschiedlicher Lebensräume bei. Davon profitiert auch die Wildkatze. 

Viele gute Gründe also, das Netz der Wildnisgebiete in der Egge zu erweitern. In ganz NRW fehlen noch viele tausend Hektar Wildniswälder, wenn die Ziele der Biodiversitätsstrategie erreicht werden sollen. Deshalb setzt sich der BUND weiter dafür ein, das 2600 Hektar große Naturschutzgebiet Egge-Nord vollständig als Wildnisentwicklungsgebiet auszuweisen.

BUND zu mehr Wildniswäldern in der Egge

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